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Rückenschmerz

 ein Beitrag von Ulrich Hamberger, Physiotherapeut im Schmerzzentrum, Klinikum Landsberg

Rückenschmerzen kennt nahezu jeder. Sie sind unangenehm, behindern unsere Alltagsaktivitäten und sind meist nach ein paar Tagen wieder verschwunden. Bei einem Teil,

ca. 16% der vom Rückenschmerz Betroffenen, ist dies leider nicht der Fall. Der Rückenschmerz bleibt über Wochen und Monate bestehen. Eine eigenständige Krankheit, der "Chronische Rückenschmerz", hat sich entwickelt. Entstehungsmechanismen und positive Auswirkungen körperlicher und psychischer Aktivität, sollen im Folgenden näher betrachtet werden. 

Wo tut der Schmerz eigentlich weh?

Auch wenn der Rücken schmerzt, die Verarbeitung der Schmerzen und letztlich die Schmerzwahrnehmung findet im Kopf, genauer im Gehirn statt! Das zentrale Nervensystem (= Rückenmark und Gehirn) mit seinen vielen Milliarden Nervenzellen, Verschaltungen und Nervenbahnen und insbesondere unser Alarm- und Überlebenssystem (vegetatives Nervensystem) sind hierbei maßgeblich beteiligt.

Beim Chronischen Rückenschmerz entwickelt sich aufgrund einer Vielzahl von Ursachen (körperlichen – seelischen - sozialen) eine Daueralarmierung in unserem Gehirn, mit der Folge dass unsere Aufmerksamkeit nur noch auf den schmerzenden Rücken gerichtet ist. Das Schmerzgedächtnis hat sich entwickelt, der Schmerz wurde von der eigentlichen Ursache abgekoppelt. Unsere Nervenzellen werden hierbei besonders empfindlich für die Wahrnehmung von Schmerz-Signalen. Es genügen dann kleinste Reize, um Schmerz zu verursachen. Im Nervensystem bilden sich Fehl Verschaltungen. Viele, an sich neutrale Vorgänge, wie Gedanken, Gefühle oder Aktivitäten, haben nun eine Kurzschlussverbindung zum Schmerz! Wichtige schmerzhemmende Mechanismen werden unterdrückt bzw. schlicht vergessen. Die Angst, durch Bewegung den Schmerz zu verstärken, nimmt überhand.

Eine Schonhaltung entwickelt sich und verstärkt wie die sinkende Stimmungslage die Schmerzwahrnehmung.

 

 

Chronischer Rueckenschmerz wird durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst
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Abbildung 1 Einflussfaktoren auf die Entstehung von Chronischem Rückenschmerz: Während psychischer Stress, Bewegungsmangel und Überlastungen in Arbeit und Familie zur Entstehung und Aufrechterhaltung beitragen, sorgen dosierte körperliche Aktivität und das Gleichgewicht mit positiven Aktivitäten und Entspannung für Regeneration und Schmerzreduktion. Quelle: Ulrich Hamberger, www.uhma-methode.com

 
 
 
 
 
 
 

Was bewirkt körperliche Aktivität?

Zentrales Nerven-, Herzkreislauf- und muskuläres System profitieren grundsätzlich von körperlicher Aktivität.

Speziell beim Chronischen Rückenschmerz wird im Schmerzzentrumdurch ein aus Modulen bestehendes Bewegungsprogramm, diese sind Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit, sowie der Hand in Hand gehenden psychologischen Betreuung, schrittweise Bewegungsangst ab- und Bewegungsfreude aufgebaut.

Durch gezielte Aktivierung spezieller, wirbelsäulennaher Muskeln, der sogenannten lokalen Muskulatur, verbessert sich die Stabilität der Wirbelsäulenachse. Dadurch werden Bandscheiben, Bänder, Faszien und Gelenke der Wirbelsäule entlastet. Das Zusammenspiel mit den kräftigen oberflächlichen Muskeln funktioniert wieder besser, der dauernde Anspannungszustand dieser Muskeln kann verringert werden. Dehntechniken, wie sie zum Beispiel beim Yoga vermittelt werden, sorgen für eine Vergrößerung der Beweglichkeit, weitere Schmerzreduzierung, Spannungsoptimierung und Harmonisierung von Bewegungsabläufen, ebenso wie das kombinierte Wahrnehmungs- und Koordinationstraining, das auch Gleichgewicht und Standfestigkeit verbessert.

Das Selbstvertrauen und die Zuversicht der Patienten, selbst etwas Positives bewirken zu können, sowie die Stimmung steigern sich entsprechend.

Durch die Aussendung von „Botenstoffen“, die die Überempfindlichkeit der Neuronen reduzieren, bewirkt Muskelaktivität Schmerzlinderung. Das Gehirn reagiert auf die Aktivität der Muskulatur mit der Ausschüttung von Wachstums- und schmerzlindernden Stoffen, wie z.B. Endorphinen und Cannabinoiden, was eine Neuverknüpfung von Nervenzellen = Neulernen zu Folge hat.

Dadurch können bestehende „Kurzschlussverbindungen“ aufgelöst, die Schmerzwahrnehmung reduziert und Bewegung mit positiver Wahrnehmung und Bewertung neu verknüpft werden.

 

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